Donnerstag, März 14, 2013

Wenn ich noch in Mainz arbeiten würde... (Donnerstag)

... (und kein zweites Kind hätte) sähe mein Tag vielleicht so aus:
Ein Donnerstag im Mai 2012

6:20 klingelt der Wecker. Ab jetzt haben wir 70 Minunten bis wir aus dem Haus müssen. Zuerst sind wir großen im Bad, einer von uns duscht meist noch sehr schnell, ich dusche meistens eher Abends, Donnerstags auf jeden Fall. Wir ziehen uns an, gießen Kaffee (für ihn) und Tee (für mich) auf und er verschlingt die erste Portion Cornflakes.
6:50 Wenn das Kleinschaf noch nicht von selbst wachgeworden ist wecken wir es jetzt. Einer von uns großen geht mit dem Kleinschaf ins Bad, der andere bereitet ihm und mir ein kleines Frühstück vor, für mich ein Marmeladenbrot, fürs Kind meistens Marmeladenbrothäppchen, ein geschnittener Apfel, ein Joghurt oder eine Schale Cornflakes, im besten Fall, hat das Kleinschaf schon gesagt was es möchte, sonst kann es auch sein, dass man die Falsche Wahl getroffen hat, da muss man dann durch und hoffen, dass das Kind irgendwann lernt, dass wir seine Wünsche eben nicht auf seiner Stirn ablesen können. Das Kleinschaf und ich Frühstücken, der Papa räumt die Spülmaschine aus und wieder hinein, was sich gestern Abend und am Morgen schon wieder obendrauf angesammelt hat.
6:20 Wir machen uns abmarschbereit. Das Kleinschaf wird angezogen, ich renne noch durchs Haus und suche meine Sporthose.
6:30 Kurzer Check, ob das HUPS vollständig ist, dann springen wir ins Auto.
7:50 Ich steige am Bahnhof aus, Mann und Kind fahren weiter zu Kindergarten und Arbeit.
7:52 Auf der Anzeigentafel sehe ich, dass der IC nach Mainz mal wieder 10 min später kommt. Also gehe ich noch kurz in die Buchhandlung und kaufe eine Postkarte.
8:00 Ich stehe am Gleis, meine Kollegin und ein Kollege aus einer anderen Arbeitsgruppe sind auch schon da, mein Chef noch nicht. Seine S-Bahn ist heute wohl auch verspätet. Wir sind viele, die von Heidelberg nach Mainz pendeln. Außer meinen Kollegen sind heute auch die Dame vom Ministerium und Peter Ustinov (der natürlich nicht so heißt, mich aber immer an eben den erinnert) mit an Bord. Manchmal fährt noch eine Physikerin mit und zwei oder drei Kollegen, die nur zum Teil in Mainz und sonst in Heidelberg arbeiten.
8:05 Der Zug kommt "pünktlich" nach den angegebenen 10 min. Mein Chef ist immer noch nicht da. Na dann wird er wohl den 8Uhr25 nehmen. Alle Pendler strömen in den letzten Wagen, der beim Fahrradabteil, wo die Plätze nie reserviert sind und immer was frei ist, weil sonst niemand bis zum Ende des Bahnsteigs läuft. Ich kann mir aussuchen ob ich stricke oder am Paper arbeite. Ich entscheide mich heute mal für die Arbeit. Irgendwann soll es ja auch mal fertig werden. Statt dessen unterhalte ich mich aber hauptsächlich mit der Kollegin über Bücher die wir gerade lesen.
8:20 Zwischenstopp in Mannheim, ein weiterer Kollege steigt ein.
9:00 Ankunft in Mainz. Der Bus ist gerade weg, in 9 Minuten fährt der nächste. Oder in 4 Minuten, dann muss man aber am Ende weiter laufen. Heute sind wir faul und warten.
9:30 Ankunft am Institut. Rumgefummel mit den Schlüsseln vorm Chipleser. Ich bin mal wieder zu schnell für die Tür und kugel mir bei dem Versuch sie aufzureißen fast den Arm aus bevor es im Schloss knack macht und ich die Tür öffnen kann.
Im Büro mache ich den Computer an, in der Teeküche setze ich Wasser auf.
In meinen emails ist erstmal nichts wichtiges, nur die Info, dass man sich für das Fußballtraining heute auf 16:00 geeinigt hat (Wir haben leider keine feste Zeit mehr, Mittwochs wird gedoodelt). Das wird knapp, ich werde nicht bis zum Ende bleiben können und direkt vom Feld in den Bus springen.
Ich suche mir einen Teebeutel aus und gehe zurück in die Teeküche. Als das Wasser in der Tasse ist fällt mir auf, dass das schwarzer Tee ist und ich keine Sojamilch mehr habe. Hmpf. Dann eben mit Honig.
9:50 Ich fahre den Laptop hoch und ziehe das Dokument an dem ich auf der Fahrt gearbeitet habe per Stick auf den Bürocomputer. Da ist es dann erstmal offen auf dem Bildschirm und starrt mich an.
10:10 Ich gucke mir meine ToDo-Liste für heute an und forme im Kopf einen Zeitstrahl. Trinke meinen Tee aus. Mein Chef kommt an.
10:20 Ab ins Labor. Eigentlich sollte ich ja fertig sein mit der praktischen Arbeit, aber ich habe noch ein paar UV-Versuche zu wiederholen, weil sich beim Versuchsaufbau ein Fehler eingeschlichen hatte und ich nicht mehr nachvollziehen kann, welche UV-Intensität die Proben denn nun abbekommen haben. Also nochmal. von dem Material habe ich noch, aber nicht gemahlen.
10:30 Im anderen Labor die Leiter rauf und den Schrank mit meinem Probenmaterial einmal ganz ausräumen. Schließlich finde ich die gesuchte Probe. Und alles wieder rein in den Schrank. Seit dem Umzug bin ich immer gefühlt den halben Vormittag am Suchen.
10:50 Zurück im kleinen Labor geht es an die Probenvorbereitung: mahlen, einwiegen, UV-Reaktionszellen verschrauben. Das alles dauert. Währenddessen dürfen die beiden UV-Lampen  warmlaufen. Mindestens eine halbe Stunde brauchen sie dafür, erst dann ist die Intensität stabil.
11:50 Ich überprüfe die UVB-Intensität unter den Lampen. Die Kollegin fragt, wann wir essen gehen. Ich brauche noch 10 Minuten.
12:00 Vier Reaktionsgefäße stehen unter zwei UV-Lampen. Jeweils eine mit UV-durchlässigem Quarzglas und eine mit Fensterglas als Kontrolle. Morgen um diese Zeit werde ich in allen vier den Methangehalt messen.
12:10 Wir könnten jetzt essen gehen, warten aber noch auf einen Kollegen. In der Zeit schaue ich mal schnell auf den Speiseplan, was es heute eigentlich gibt. Heute nur will-ich-nicht-essen (Fleisch) oder darf-ich-nicht-essen (Milch).
12:20 Ich kontrolliere das Guthaben auf meiner Karte, reicht, dann steuere ich die Mensaria an. Für mich gibt es heute eine kleine Portion Pommes und einen Salat. Anschließend kämpfe ich mich die Treppe zu den Ausgaben hinunter, während die ersten Mensagänger schon wieder nach oben strömen. In der Nähe von Ausgabe 3 finde ich meine Kollegen wieder. Wir essen und machen uns über die ausliegenden Flyer lustig.
13:00 Zurück am Institut. Zum Glück habe ich doch noch dran gedacht auf dem Rückweg nochmal durch die Mensaria zu gehen und ein Tütchen Soja-Vanillemilch mitzunehmen (und eine Banane für nach dem Sport), so kann ich jetzt einen Kaffe aus der illegal aufgestellten Senseo-Maschine des Kollegen trinken. Weil es so schön ist draußen, gehen wir mit unseren Kaffees aufs Dach.
13:30 Einmal den Feedreader überfliegen.
13:40 Das seit heute Morgen offene Word-Dokument, das mal mein Paper werde soll findet endlich  Beachtung. Irgenwie verbringe ich damit die nächste zwei Stunden.
15:40 Ich suche einen Bus raus, mit dem ich rechtzeitig vom Fußball zum Bahnhof komme, gucke, ob für meinen Zug vielleicht schon Verspätungen angekündigt sind (sind nicht, ist noch zu früh) und mache eine Liste für morgen (12:00 Messen)
15:55 Die Kollegin und ich ziehen uns um und spurten zum Fußballfeld runter.
16:05 Wir sind immerhin 8 Frauen heute, da kann man schon richtig spielen. Haben wir leider selten in letzter Zeit.
16:50 Mei Handy piepst am Spielfeldrand. Zeit mich zu verabschieden. Ich laufe zum Bus und fahre zum Bahnhof. Die Kollegin bleibt noch, sie wird den Zug um 18:40 nehmen.
17:08 Ankunft am Bahnhof, gleich runter aufs Gleis. Der Zug soll pünktlich sein, oh Wunder! Mein Kollege aus Mannheim und mein Chef sind auch am Bahnsteig.
17:13 Der Zug ist tatsächlich pünktlich, aber ich weiß, er wird es nicht bleiben. Irgendwo auf der Strecke verliert er imme 5-10 min.
Nach dem Sport habe ich keine Lust mehr auf Arbeit, der Laptop bleibt aus. Ich berichte meinem Chef noch kurz etwas zu den gestern ausgewerteten Versuchen, dann starre ich eine Weile aus dem Fenster und krame schließlich mein Strickzeug raus.
18:12 Ankunft in Heidelberg. Mann und Kind warten schon auf dem Parkplatz auf mich. Das Kind sitzt auf dem Autodach und winkt mir sobald ich aus der Bahnhofshalle komme.
18:35 Zu Hause. Wir großen würden jetzt gerne die Füße hochlegen, das Kind will spielen. Ich ziehe mich schnell um, schnappe mir zwei Bananen, eine Fasche Saft und zwei Becher, dann sind wir auch schon unterwegs zum Spielplatz.  Wir bleiben eine Stunde, ich verdrücke unmengen an Sandkuchen, Himbeereis und was ir sonst noch an imaginären Speisen gereicht wird, wir Picknicken was echtes zu essen und gehen wieder heim.
19:40 Ich übergebe das Kleinschaf seinem Papa und dusche.
20:00 Das Kind ist im Bett, ich gehe hin und singe.
20:10 und singe.
20:15 und singe. 
20:30 Abendprogramm. Wir gucken einen Film oder lesen oder surfen. Manchmal geh ich auch runter und nähe.
22:00 oder 23:00 Wir räumen noch ein bisschen auf, füttern die Meerschweine und sind meist um elf/ halb zwölf im Bett.


Kommentare:

Meeresrauschen hat gesagt…

Hallo Alke,
vielen Dank, dass du mal einen Tag aus vergangener Zeit für mich gebloggt hast. Das war sicherlich ziemlich stressig, zwischen Mainz und Heidelberg zu pendeln.
Habe ich richtig rausgelesen, dass du deine Arbeit erst vor kurzem abgegeben hast? Herzlichen Glückwunsch! In welcher Richtung warst du denn eigentlich tätig? UV-Reaktionszellen? Sind das jetzt biologische Zellen oder 'gebaute' Zellen?
Liebe Grüße,
Kathrin

Alke hat gesagt…

Hallo Kathrin,
das sind gebaute Zellen, also Glasgefäße, die wahlweise mit einer UV-transparenten oder einer UV-undurchlässigen Glasscheibe verschlossen werden. Darin habe ich Bodenproben UV-Strahlung ausgesetzt und vorher und hinterher den Methangehalt in der Luft gemessen. In meiner Arbeit (Abgegeben im Dezember, verteidigt im Januar) habe ich mich mit der abiotischen Bildung von Methan in Böden beschäftigt.