Dienstag, Mai 22, 2012

Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und keiner wollte sie sehen.

Freitag war ich beim Arbeitsamt. Erster Tag arbeitslos und so, da soll man sich bei der Agentur vorstellen.
Eine Woche vorher wurde ich angerufen. Eine Erinnerung, dass ich am ersten Tag der Arbeitslosigkeit vorbeikomme. "Und den Antrag auf Arbeitslosengeld," frage ich, "soll ich den gleich mitbringen?" "Jaja, natürlich, bringen sie auch gleich die Bewerbungen mit, die sie bisher geschrieben haben, dass wir ihre Bemühungen mal sehen können." sagt die Frau in einem gutmütigen, beruhigenden Tonfall "Mach ich dafür am Besten einen Termin aus?" frage ich noch. "Neinnein, sie kommen einfach Freitag vorbei." säuselt sie und das Gespräch ist zu Ende.

Am Sonntag fülle ich den Antrag aus, am Dienstag besorge ich die restlichen der geforderten Unterlagen.
Mittwoch drucke ich die bislang geschriebenen Bewerbungen aus, ebenso die dazugehörigen Stellenausschreibungen und in zwei Fällen leider auch die Absagen. Ebenso zwei Stellenangebote, mit denen ich mich am Wochenende befassen will.

Freitag ist ein Brückentag, der Kindergarten ist zu. Ich nehme mein Kind und fahre zum Amt. Im Gepäck haben wir zwei Bilderbücher, Apfelschnitze, Käsebrote für das Kind, Tomatenbrote für mich und eine Flasche Wasser, außerdem einen ausgefüllten Antrag auf Arbeitslosengeld, sämtliche dazugehörigen Unterlagen, einen zettel mit allen Fragen, die ich stellen will und eine Mappe mit Bewerbungen. Fünf nach acht sind wir da und stellen uns hinter die anderen acht Leute, die bereits an der Anmeldung stehen.
"Gehen sie in den ersten Stock, folgen sie den roten Pfeilen in den Wartebereich und warten sie, bis sie aufgerufen werden."
Im Warteraum schaut sich das Kind kurz um, vergräbt dann schnell sein Gesicht in meine Jacke und wimmert. "Hast Du Angst vor den vielen Leuten?" frage ich.
"Ja" antwortet es leise aus meiner Jacke.
"Das brauchst Du nicht. Das sind bestimmt alles nette Menschen. Die wollen nichts Böses. Die möchten nur eine neue Arbeit haben und für die Zeit bis sie wieder arbeiten ein Bisschen Geld. Wie Mama auch."
Ich merke, dass die Worte gut tun. Dem Kind und den anderen Wartenden auch. Das Kind guckt sich vorsichtig um. Die Leute lächeln. Das Kind taut auf und verlangt dann ein Buch zu lesen. ich lese "Der Maulwurf hilft der Maus" vor. Und nochmal. Und nochmal. Außerdem habe ich noch ein Pixi-Buch dabei, das ist aber heute nicht so beliebt. "Ich will malen" sagt das Kind. Ich nehme einen Flyer der Arbeitsagentur, krame einen Stift aus dem Rucksack und es ist glücklich.
Irgendwann ist dann auch eine Stunde rum und wir werden aufgerufen. Ich erkläre dem Kind, dass wir jetzt weiter dürfen und packe schnell Bücher, Malsachen und Brotdose zusammen.

"Sie sind also ab morgen arbeitslos" stellt die Frau nach einem Blick auf ihren Bildschirm fest, ungeduldig, weil ich nicht sofort hinter ihr herkam.
"Nein, seit heute." korrigiere ich.
"Hier steht aber der 18. als letzter Arbeitstag" sagt sie brüsk, die Stimme an der Grenze zu Vorwurf und Pampigkeit.
"Das stimmt aber nicht und das habe ich beim letzten mal schon richtiggestellt." korrigiere ich sie, bemüht um ein Lächeln.
"Dann bräuchte ich mal ihren Personalausweis."
Ich krame nach meinem Perso, das Kind hat sich derweil einen neuen Flyer und einen Kugelschreiber vom
Schreibtisch geangelt um weiter zu malen. Ich halte es nicht auf; schön, dass es sich selbst beschäftigen kann.
Die Frau nimmt meinen Perso entgegen, tippt etwas in den Computer ein, reicht mir den Perso zurück.
"So, dann sind sie jetzt arbeitslos gemeldet. Hier ist ihr Antrag auf Arbeitslosengeld, den - "
"Den habe ich schon ausgefüllt dabei, mit allen Unterlagen."
Die Frau starrt mich entgeistert an und sagt: "Den kann ich aber jetzt nicht mit ihnen durchgehen, da müssen sie einen Termin für ausmachen."
Ich fasse es nicht. das ist doch genau das Gegenteil von dem, was mir die Dame am Telefon gesagt hatte.
"Dann war ich heute also nur hier um Hallo zu sagen?" fragen ich.
"Nein, sie waren hier um sich Arbeitslos zu melden." erwiedert sie bestimmt.
"Ja aber finden sie das nicht etwas übertrieben?"
"Wieso? Was finden sie übertrieben?" sie weiß genau was ich meine.
"Na dass ich dafür extra vorbeikommen muss um etwas zu bestätigen, dass sie eh schon wissen."
"Was wissen wir?"
"Das ich ab heute Arbeitslos bin, das haben sie mir doch eben als allererstes vorgelesen."
"Ja aber trotzdem müssen sie sich persönlich arbeitslos melden."
"Ich verstehe nur nicht warum das nicht telefonisch geht wenn sie doch eh alle Daten schon haben."
"Nein, sie müssen sich persönlich arbeitslos melden."
Ich merke, dass sie längst auf Teflon-Modus umgeschaltet hat, stopfe mein Portemonaie in den Rucksack, nehme mein Kind auf den Arm und rausche raus. Bevor ich noch jemanden beiße.

Als ich im Auto sitze steigen mir die Tränen hoch. Und ich dachte, wenn ich da gut gelaunt hingehe, alle Unterlagen dabei habe und den Leuten, die sonst immer nur muffelige deprimierte Gesichter sehen, mal ein Lächeln mitbringe, dann wird das alles ein Spaziergang.

Kommentare:

tante liesbet hat gesagt…

Ach Mensch...ich schieb mal ´nen Tee rüber...
GGLG Doris

Anonym hat gesagt…

Lass Dich nicht unterkriegen. Arbeitsamt ist immer so ne Sache für sich. Ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Ich drücke auf jeden Fall ganz feste die Daumen, dass sich bald eine interessante Stelle findet.

Annie hat gesagt…

Ach...sei mal gedrueckt ((Alke))...und ja, Arbeitsamt etc ist wirklich immer so eine Sache, egal WIE gut vorbereitet man dort vorstellig wird, DIE finden immer was zu meckern/runterzumachen...ich glaube, das bedarf einer ganz besonderen Sorte "Mensch" fuer solche Positionen, die findet man sonst (gottseidank!!!) eher selten :(

Anyways...best of luck jobhunting..das wird schon!!!

fuchsia hat gesagt…

Ach Arbeitsamt.
Mein Berater sagte: Ach, Sie sind ja eine Frau. Da haben Sie ja mehr als Basiswissen fürs Telefonieren....

Liebe Grüße
fuchsia